Repertorium der Briefe zur Entstehung
| Korrespondenz ab Herbst 1777 (vor Erstdruck im Sept. 1778) | Ort & Datum | Inhalt / Bezug zu Ernst & Falk | Zitat / Auszug | Nachweis (Barner, Bd. 12, 1994) |
| Von Moses Mendelssohn an L | Hannover, den 11. Nov. 1777. (= Erstnachweis der von L fertig gestellten Gespräche für Freymäurer) | Absicht, L in Wolfenbüttel zu besuchen; Dank für Erhalt der Gespräche (I-V) | „[…] Ihre Gespräche über die Freimäurerei habe ich mit sehr vielem Vergnügen gelesen. Nicht, daß Sie etwa meinen Vorwitz gestillt hätten. Ich bin eines Teils dieses Unholdes schon lange quitt. Ich bin überzeugt: was Menschen Menschen verheimlichen, ist selten des Nachforschens wert. Andern Teils wissen Sie am besten, daß Ihre Gespräche gar nicht darnach eingerichtet sind, die Neugier zu befriedigen […] Ihren Aufschluß von dem Ursprunge des Namens, müssen Sie unserm Nicolai irgend einmal entdeckt haben. Der hat mir, wo ich nicht irre, schon verschiedentlich davon gesprochen. […] Ich behalte Ihre Gespräche noch in Händen […]“ [F. Nicolai publiziert nach Lessings Tod eine Kritik an Lessings modifizierter Ursprungsthese zum Freimaurertum: Versuch über die Beschuldigungen welche dem Tempelherrenorden gemacht worden, und über dessen Geheimniß; Nebst einem Anhange über das Entstehen der Freymaurergesellschaft (1782); Herder wiederum reagiert mit einer Gegenschrift und „Rettung Lessings“; vgl. Fick 42016, S. 424] | Brief. Nr. 1320; S. 106ff. |
| Von M. M. an L | Hannover, den 19. Nov. 1777. | Rückversand der Gespräche | „[…] Hierbei Ihre Gespräche! Die Hauptidee ist so wichtig, mir wenigstens so neu, daß ich auf Ihre Ausführung derselben außerordentlich begierig bin. […]“ | Nr. 1323; S. 110 |
| Von L an Matthias Claudius | Wolfenbüttel den 19 April 1778. [sic] | (Andeutung der) Übersendung der Gespräche; Hinweis auf Zirkulation in Freimaurerkreisen (über Bode und andere) | „[…] Da übrigens Hr. Asmus meine theologischen Gesinnungen so vortrefflich interpretiert hat: so wäre ich beinahe Willens, ihm auch mein F.M. [=Freimaurer-] Bekenntnis zukommen zu lassen. Es ist schon einmal in Hamburg gewesen; bei Herr Boden: aber – Und itzt läuft es hier, durch die Hände der andern Observanz. Es soll mich verlangen, ob es am Ende doch auch nur Einer verstehen wird. […]“ | Nr. 1360; S. 145f. |
| Von L an Herzog Karl von Braunschweig | Wolfenbüttel den 11ten Jul. 1778. | Kein ausdrücklicher Bezug zu E&F; aber Lessings Reaktion auf herzogl. Rücknahme der Druckfreiheit, die ihm 1772 für die Zeitschrift Zur Geschichte und Literatur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel gegeben worden war nun infolge des Fragmentenstreits faktische Zensur dieser und religiöser Schriften bis auf Weiteres | „[…] Es ist allerdings wahr, daß, als unterm 13ten Febr. 1772 Ewr. Durchlaucht die Gnade hatten, mich von der Censur der Beiträge zu dispensieren, solches unter der Clausel geschah, nichts drucken zu lassen, was die Religion und guten Sitten beleidigen könne. Allein diese Clausel habe ich nur so verstehen können, daß ich, ich in meiner Person, aus meinem Kopfe, in einem dogmatisierenden, affirmativen Tone, nichts solle drucken lassen, was, der Religion besonders, entgegen sei; und in diesem Verstande ist mir nichts heiliger gewesen, als diese Clausel. […] So nach muß es mich denn aber auch doppelt befremden, daß der Concipient von Ewr. Durchlaucht Rescripte gedachte Clausel nunmehr sogar dahin ausdeuten will, als ob mir dadurch untersagt worden, daß selbst von dem, was ich von fremder Arbeit aus Manuscripten [= bei den Reimarus-Fragmenten handelte es sich um diesen Fall] bekannt machen würde, nichts die Religion betreffen müsse. […] ich betaure und gehorche.“ | Nr. 1365; S. 159ff. |
| Von Herzog Karl von Braunschweig an L | „[…] das herausgegebene Fragment eines Ungenannten von dem Zwecke Jesu und seiner Jünger betitelt, betreff.“ Br. d. 13ten Jul. 1778. | Ausdrückliche Rücknahme der Zensurfreiheit; Präzisierung der Geltung für die Fragmente eines Ungenannten und Religionsthemen insgesamt | „Euch ist zwar bei Gelegenheit der von euch untertänigst nachgesuchten Erlaubnis zur Herausgabe der sogenannten Beiträge aus den Schätzen Unserer Fürstl. Bibliothek zu Wolfenb. die Censur-Freiheit, jedoch nur allein in Ansehung dieser Beiträge, und für dasmal, wie wohl auch in dem zum Überfluß dabei ausdrücklich vorausgesezten Vertrauen, daß nichts was die Religion und gute Sitten beleidigen könne, darin werde abgedrucket werden, in Gnaden erteilet worden; Wie ihr aber, wider solches bessere Vertrauen, nicht nur gewisse Fragmente eines Ungenannten, […] auch außer selbigen verschiedne andre zum Anstoß und öffentlichem Ärgernis gereichende Schriften […] zum Vorschein kommen lassen; […] Als wird, nachdem bereits deshalb an die Waisenhaus-Buchhandlung das Nötige ergangen, euch vorerst, das mehrere vorbehältlich, hiedurch alles Ernstes befohlen, die Handschrift des Ungenannten […] binnen acht Tagen ohnfehlbar einzuschicken, und euch aller ferneren Bekanntmachung dieser Fragmente und anderer ähnlichen Schriften […] gänzlich zu enthalten. Wie denn auch die euch ehmals verliehene Dispensation von der Censur hiemit gänzlich aufgehoben[...]“ [Hervorh. VTW] | Nr. 1368;S. 162ff. |
| Von Christian Gottlob Heyne an L | Göttingen, d. 18. Jul. 1778. | [Heyne erteilt im Verlauf der Drucklegung von E&F das Imprimatur, vgl. Manuskript und LM 13, 340] hier kein expliziter Bezug, aber Korrespondenz im Vorfeld (unter bibliothekarische Kollegen; Heyne leitet seinerzeit die Göttinger Univ.bibliothek); Heyne kündigt Besuch eines Wissenschaftlers in Wolfenbüttel an und spricht L Mut zu mit Blick auf Fragmentenstreit | „[…] Gelegenheit giebt, mein Andenken einmal bei Ihnen zu erneuern […] Vielleicht gäben die Götzen und Consorten wer weiß was darum, daß Sie lieber im Schutt des alten Roms wühlen, als ihr eignes schönes Gebäude in Schutt verwandeln möchten. Leben Sie wohl und beehren Sie mit Ihrem freundschaftlichem Wohlwollen – Ihren Heyne.“ | Nr. 1370, S. 166f. |
| L an Herzog Karl von Braunschweig | Wolfenbüttel den 20 Jul. 1778. | Gehorsams-Schreiben samt Rücksendung des einstigen Druckprivilegs und der Übersendung des Fragmente-Manuskripts (von Reimarus); aber mit Hinweis auf schon geschehene Zirkulation (Parallele zu Ernst und Falk) | „[…] daß das nemliche Manuscript, von welchem in Ewr. Durchlaucht Bibliothek ich nur den kleinern Teil in Fragmenten des ersten Entwurfs gefunden habe, ganz und völlig ausgearbeitet, bereits in mehrern Abschriften existieret, schon so manches Jahr von Hand zu Hand gehet, und so im Verborgnen unendlich mehr Schaden tut, als es im Angesicht einer widersprechenden Welt tun könnte. […] Auch kann die hiesige Confiscation dieser Blätter durchaus nichts helfen; weil ich sie so fort, zu bloßem Schaden der Waisenhausbuchhandlung, auswärts muß nachdrucken lassen, um sie auswärts fortsetzen zu können; welches mir der Concipient von Ewr. Durchlaucht Rescripten doch hoffentlich nicht auch in Ewr. Durchlaucht Namen wird untersagen wollen. […]“ | Nr. 1371;S. 167ff. |
| L an Herzog Ferdinand von Braunschweig [= dem Herzog-Bruder] | Wolfenbüttel den 28ten Jul. 1778 | Übersendung der Gespräche für Freymäurer an den Herzogbruder | „Ich weiß, daß Ewr. Durchlaucht ohnlängst gewisse geschriebene Gespräche vorgekommen sind, welche der Verfasser nie bestimmt hatte, vor solchen Augen zu erscheinen. Gleich wohl glaube ich nicht minder zu wissen, daß Ewr. Durchlaucht sie mehr als gnädig zu beurteilen geruhet, und sogar das Verlangen geäußert haben, eine Abschrift davon zu besitzen. Ich lege also die gegenwärtige Ewr. Durchlaucht untertänig zu Füßen[...]“ | Nr. 1375; S. 172 |
| Von Herzog Ferdinand an L | Wolfenbüttel. d: 29ten Julii 1778. | Dankesbrief über den Erhalt der Gespräche (mit Beleg über den Besitz aller fünf Gespräche, s. P.S.) | „[…] Sie haben mir eine Große Gefälligkeit erzeiget in Mitteilung und in Besitz-Erteilung der gewissen geschriebenen Gespräche. […]Kann das Sechste Gespräch nicht auch zum Vorschein kommen? […] Ich wünschte es, und demnächst sie auch gleichfalls in der Handschrift gleich deren Gesprächen zu besitzen.“ [Hervorh. VTW] | Nr. 1379; S. 175f. |
| Von Karl Lessing an L | Berlin, den 1. August 1778. | Rezeption der neuesten Schriften (noch Teile des Anti-Goeze?); Andeutung der Provokation weiterer Mitglieder der theologischen Fakultät in Göttingen (= unmittelbar später, im September 1778, Druckort des Erstdrucks von Ernst und Falk); vgl. Heyne | „[…] Kannst Du wohl glauben, daß er [= Goeze] die ganze theologische Facultät in Göttingen gegen Dich aufhetzt? Sogar Semler soll auf sein Anraten gegen Dich schreiben wollen.“ | Nr. 1380; S. 176f. |
| Von Herzog Karl von Braunschweig an L | Braunschweig den 3ten August, 1778.[unterzeichnet von „Praun.“] | Verschärfung des Druckverbots unter dem Begriff der Resolution (!); ausdrückliches Verbot auch auswärtiger Erst- oder Nachdrucke der Fragmente, des Anti-Goeze, von Jesu und seine Jünger und künftiger Schriften (= nicht mehr nur Schriften, die Religion betreffend?); vorbehaltliche Zensur-Prüfung von künftigen Schriften (zu schicken an das Fürstl. Ministerium) | „[…] daß, gleichwie es überhaupt bei der angeordneten Confiscation der noch vorrätigen Exemplarien des 3ten und 4ten Teils der sogenannten Beiträge aus den Schätzen der Bibliothek zu Wolfenbüttel sowohl, als des besonders gedruckten Fragments von dem Zweck Jesu und seiner Jünger, auch aller anderen darauf einen Bezug habenden Schriften ein für allemal sein Bewenden hat, also auch fürs Künftige, nachdem die Dispensation von der Censur wegen des davon gemachten Mißbrauchs aufgehoben werden müssen, weder die sogenannten Anti-Gözzischen Blätter, noch sonst andre eigene oder fremde Schriften, sie mögen Namen haben wie sie wollen, ohne Censur drucken zu lassen dem Supplicanten gestattet werden könne; sondern derselbe was er fernerhin drucken zu lassen gemeinet ist, an Höchstgedachtes Sr. Durchl. Fürstliches Ministerium bis zu anderweiter Verordnung, jedesmal zuvörderst einzuschicken, hienächst aber, die hier einmal confiscierten Schriften auswärts nachdrucken zu lassen, bei Vermeidung unangenehmer Verordnung sich zu enthalten habe[...]“ | Nr. 1383; S. 179f. |
| L an Herzog Karl von Braunschweig | Bitte um Erklärung/Präzisierung der Resolution | Wolfenbüttel den 8 August 1778. | „[…] Ewr. Durchlaucht verzeihen gnädigst, daß ich mich gedrungen sehe, nur noch um eine einzige Erklärung des erhaltenen Rescripts vom 3ten h. untertänigst zu bitten.Es wird mir darin angedeutet, daß ich alles, was ich fernerhin drucken zu lassen gemeint sei, zuvörderst an Ewr. Durchlaucht Ministerium einsenden soll.Aber dieses ist doch wohl nur von dem zu verstehen, was ich fernerhin in Ewr. Durchlaucht Landen drucken zu lassen gemeint bin? […] Da ich nun ein mehrers daselbst drucken zu lassen im Begriffe bin: so flehe ich Ewr. Durchlaucht untertänigst, Höchstdero Ministerio zu befehlen, sich deutlicher über diesen Punkt zu erklären[...]“ | Nr. 1387; S. 183f. |
| Herzog Karl von Braunschweig an L | Resolutio für den Hofrat Leßing. dessen neuere Schriften in Religions Sachen betreff. Br. d. 17ten August 1778. | Verbot des Drucks von Schriften mit Religions-Bezug auch auswärts oder/und mit dem Druckort Wolfenbüttel [= vgl. Titelblatt des Erstdrucks von E&F; anonym, aber mit Druckort Wolfenbüttel!] Imprimatur des Erstdrucks datiert auf den 2. Sept. 1778 | „[…] also auch Höchstdieselbe [Resolution] dem Supplicanten nicht gestatten können, daß er in Religions-Sachen, so wenig hier als auswärts, auch weder unter seinem noch anderen angenommenen Namen, ohne vorherige Genehmigung des Fürstl. Geheimen Ministerii ferner etwas drucken lassen möge, wobei demselben zugleich, daß er auf die eingesandte zu Berlin gedruckte Bogen statt dessen den Druck-Ort Wolfenb. setzen lassen, hiemit ernstlich verwiesen wird.“ [Hervorh. VTW] | Nr. 1390; S. 186f. |
| Von Konrad Arnold Schmid an L | Braunschweig, d. 3. Sept. 1778. | Erinnerung an Versprechen, ihm den Anti-Goezze und die Freimäurer-Gespräche zu übersenden | „Sie versprachen mir ja, mein Liebster, die letzten Stücke des Antigötz, und des Freimäurer Gesprächs. Haben Sie es vielleicht vergessen, so sehen Sie aus dieser Anerinnerung, daß ich es nicht vergessen habe.“ | Nr. 1395; S. 191 |
| Von Christian Gottlob Heyne an L | Göttingen, Ende September 1778. | [Heyne = Zensor des Erstdrucks beim Göttinger Verleger Dieterich; erteilt Imprimatur am 2. September 1778] | ***Brief verschollen oder nicht erhalten*** | Nr. 1399; S. 193 |
| Von Joachim Heinrich Campe an L | Hamburg, Ende September 1778. | Lob (inkl. Lobgedicht) und Kommentare zu Ernst und Falk (insbesondere die Ursprungslegende in den Gesprächen IV/V | „Auch mir ist es, wie Ihrem Ernst, gegangen – ich stehe, wie ein Geblendeter und reibe mir die Augen. Zwar habe ich die Beläge dessen, daß der bewußte Staub Staub sei, noch nicht gesehen: allein wenn Lessing sagt, daß er Beläge zeigen könne, so ist es so gut – wenigstens für mich – als wenn er sie schon gezeigt hätte. […] Ernsthaft gesprochen – ich bin erstaunt, über Inhalt und Dialog, vornehmlich über den letzten, der mir so in meinem Leben noch niemals vorgekommen war, weder bei den Alten noch bei den Neuern. […]“ | Nr. 1401; S. 194f. |
| L an J. H. Campe | Hamburg, Oktober 1778 | Dank und Rechtfertigung bzgl. Argumentation zur Ursprungslegende | „Ihr Urteil über meine Gespräche ist mir sehr schmeichelhaft; und doch könnte ich wünschen, daß Sie meine Tochter wohlgesitteter als wohlausgestattet gefunden hätten. […]“ | Nr. 1402; S. 196ff. |
| L an Herzog Ferdinand von Braunschweig | Wolfenbüttel, den 19 Octob. 1778. | Benachrichtigung über Druck der Gespräche für Freymäurer mit Widmung | „Da ich mir schmeicheln darf, daß von den bewußten Gesprächen die drei erstern, das Ernsthafteste, Rühmlichste, Wahrste sind, was vielleicht jemals über die Freimäurerei geschrieben worden: so habe ich der Versuchung, sie drucken zu lassen, nicht länger widerstehen können. […] Aber ich habe mich zugleich unterstanden, den Namen Ewr. Durchlaucht meinen Blättern vorzusetzen: und das ist es eigentlich, was mich bei Überreichung derselben, beunruhiget und verwirret. Wie konnte ich gleichwohl die Lauterkeit meiner Gesinnungen der Welt besser bezeugen, als durch diese Erdreistung? Man ist sich keiner bösen Sache bewußt, wenn man vor solchen Augen damit zu erscheinen waget. […]“ | Nr. 1403; S. 198f. |
| L an Karl Lessing | Wolfenbüttel, den 20. Oct. 1778. | Frage nach Aufnahme von Ernst und Falk in Berlin | „[…] Meinen Ernst und Falk wollte ich Dir gern beilegen, wenn ich nicht glauben dürfte, daß Du ihn schon gelesen, und ein Exemplar von ihm das Porto nach Berlin wert wäre. Indes, was sagst Du dazu? Und was hörst Du Andere davon sagen? […]“ | Nr. 1405; S. 199ff. |
| Herzog Ferdinand an L | Braunschweig. d: 21ten 8tober 1778. | Dank und Tadel für Druck und Widmung von E&F | „[…] Es kann mir nicht anders, als ungemein schmeichelhaft sein, meinen Namen vor einer Schrift zu sehen, die aus Lessings Feder geflossen. Ich Bin Ihnen daher, mein Lieber Herr Hofrat, für Ihre Aufmerksamkeit, die Sie mir auf diese Art in denen nunmehr im Druck erschienenen Gesprächen für die Fr:. Mr:. bezeigen wollen, Dank schuldig.Legen sie mir es aber ja nicht vor Stolz oder Besorgnis aus, wenn ich gewünscht hätte, daß Sie vorher meine Beistimmung zu dem öffentlichen Druck gefragt hätten.Stolz – ein echter wahrer Fr:. Mr:., und wenn er auch der größte Fürst wäre, kennt diesen Fehler der Menschheit nur dem Namen nach, seine Seele muß davon Frei sein.Besorgnis – von dieser, ich gestehe es Ihnen aufrichtig, bin ich nicht ganz frei; ich überlasse diesen Ausdruck Ihrer eigenen tiefen Einsicht und Auflösung: Sie wissen, da ich sie selbst für einen Fr:. M:., sie mögen regelmäßig oder nicht regelmäßig aufgenommen sein, halte, wie freiwillig und feierlich sich ein solcher verpflichtet, nichts von denen wesentlichen Kenntnissen der Gesellschaft drucken zu lassen.Sie tun es – Sie kennen über dies das aufmerksame Publicum auf alle Kleinigkeiten, die uns angehen, eben so gut als ich, und haben es schon erfahren wie schief oder grade es über Dinge urteilet, die nicht allen einerlei sein können.Ich wünsche daß obgedachte Gespräche von der Welt und der Mry.: wohl aufgenommen und verstanden werden möge! […]“ | Nr. 1406; S. 201f. |
| L an Christian Gottlob Heyne [= Zensor Göttinger Erstdruck] | Wolfenbüttel den 23 Oct. 78. | Dank für „so viele Gefälligkeiten“; wahrs. auch Drucklegung von Ernst und Falk | „[…] Unter den indes eingelaufenen Briefen finde ich zwei von Ihnen, voll der zuvorkommendsten Freundschaft, für die ich nicht genug danken kann. – Ich war Ihnen bereits meinen Dank für die Antiquarischen Aufsätze schuldig. – […] Wenn ich ihnen nicht gar der unnötigen Arbeit noch mehr gemacht hätte! – […] Empfangen Sie nochmals meinen Dank für so viele Gefälligkeiten, die ich wenigstens gehörig zu schätzen, Bibliothekars genug bin. Lessing.“ | Nr. 1407;S. 202f. |
| L an Herzog Ferdinand von Braunschweig | Wolfenbüttel den 26 Octbr. 1778. | Rechtfertigung, mit E&F das freimaurerische Geheimnis verraten zu haben | „[…] Ich habe kein Vertrauen gemißbraucht: alles, was man mir vertrauet hat, liegt noch tief in mir verborgen. Ich habe nichts getan, was mit freiwillig von mir übernommenen Verpflichtungen auf irgend eine Art streite. Vielmehr ist, was ich getan habe, eine Folge dieser Verpflichtungen. Nur weil es mich schmerzet, daß der Gegenstand derselben in öffentlichen Schriften, die sich größten Teils von Fr.-Mr.-selbst herschreiben, so sonderbar gemißhandelt wird: habe ich eine Seite derselben – nicht enthüllen – sondern ihm die Hülle nur genauer anpassen zu müssen geglaubt.Ich habe keine geheime Kenntnisse entheiliget: ich habe bloß die Welt zu überzeugen gesucht, daß da noch wirklich große geheime Kenntnisse verborgen liegen, wo sie dergleichen zu suchen, endlich müde ward.Werde ich verstanden: so bin ich gerechtfertiget. Werde ich nicht verstanden: so habe ich nicht geschrieben. […]“ | Nr. 1408; S. 204 |
| Von Karl Lessing an L | Berlin, den 28. Octbr. 1778. | Anmerkungen zu Ernst und Falk und dessen Aufnahme in Berliner Kreisen; Kommentar auch zu Lessings Rechtfertigungs-Brief an Herzog Ferdinand | „[…] Was ich über Deinen vortrefflichen Ernst und Falk denke, bekommst Du auch gedruckt zu lesen, aber erst künftige Woche. Was ich aber nicht gedruckt sagen wollte, will ich Dir jetzt unverhohlen gestehen.Dein Brief an den Herzog Ferdinand hat mich choquiert. Wer kann die Erlaubnis erteilen Wahrheit zu schöpfen? Wenn Du hier nicht etwa als ein Freimaurer sprichst, so hast Du etwas gesagt, das Deiner unwürdig ist. Wahrheit schöpfen, ist so viel, als Luft schöpfen: jenes mit der Seele, dieses mit dem Körper. […] Kann der Herzog, als Heermeister der deutschen Logen, Dir zu schlafen oder krank zu sein erlauben: ei! So bitte Se. Durchlaucht untertänigst, Dir zu erlauben, nicht eher krank zu sein, als bis Du Deinen Nathan fertig hast.Moses hatte mich schon auf Deine Gespräche mit der größten Erwartung erfüllt. Er hatte sie im Manuscript gelesen, und vermißt verschiedene Stellen. Was man an den Berlinischen und andern neueren Theologen tadeln könnte, sagte er, könnte man auch an Deiner Freimaurerei tadeln. Allein die großen Aussichten, die Du überhaupt den Menschen darin machst, verkennt er dabei nicht.Der Geheime Rat Hymmen, ein schlechter Versmacher, aber ein ganz guter Jurist, dem ich Deine Gespräche communicierte, weil ich sie fast zuerst von Leipzig durch Moses hatte; schrieb mir darüber: Du hättest nur Einen Zweck angegeben, den die Freimaurer hätten. Als wenn Du nicht immer Deinen Falk sagen ließest: Mit-Zweck! Da er so darüber hinlieset und bei seiner Loge einer der größten Brüder ist, so habe ich eben kein großes Verlangen, die andern Brüder kennen zu lernen. […]“ | Nr. 1409;S. 205f. |
| Briefe im Publikationskontext der Fortsetzung (1780) | ||||
| Von Campe an L | Hamburg, d. 1. Jan. 1780. | Rücksendung der Handschrift der „Gespräche für Freymäurer“ (inkl. Gespräche IV & V) | „Hier schicke ich Ihnen, teuerster Freund, Ihre mir gütigst mitgeteilte Handschrift zurück. […]“ (vgl. Brief aus dem Herbst 1778) | Nr. 1526; S. 299ff. |
| L an Georg Christoph Lichtenberg | Wolf. den 23 Jenner 1780. | Übersendung der Fortsetzung der Gespräche [passt zum Manuskript in der Lessing-Sammlung aus Lichtenbergs Besitz, das nur die Gespräche I-III umfasste] sowie Mahnung, sie aber nicht in den Druck zu geben (LM befand, dass Lichtenberg den Erstdruck in Göttingen überwacht haben sollte) konsistent mit Blick auf erhaltenes MS | „[…] P.S. Eben erinnere ich mich noch, daß Sie einmal die Fortsetzung meiner Freimäurer Gespräche zu lesen begierig gewesen. Hier ist sie! Aber nicht zum Drucke. Noch muß ich mir sie gelegentlich wieder zurück erbitten. Die Ursachen werden Sie leicht erraten.“ | Nr. 1533; S. 306f. |
| L an Johann Gottfried Herder | Wolfenbüttel, d. 25. Jan. 1780. | Übersendung der Fortsetzung (Gespräche IV-V) der Freimaurer-Gespräche; Erlaubnis, diese auch an Hamann zu schicken | „[…] Sie verlangten die Fortsetzung meiner Freimaurer-Gespräche, und ich hatte die einzige reine Abschrift davon sehr weit weg geliehen. In mein Brouillon konnte ich mich selbst nicht mehr finden; geschweige, daß ein andrer hätte klug daraus werden können. Endlich habe ich sie wieder erhalten; und hier ist sie. Wenn Sie das Ding an Haman senden: so versichern Sie ihn meiner Hochachtung. Doch ein Urteil darüber möchte ich lieber von Ihnen, als von ihm haben. […]“ | Nr. 1534.;S. 307 |
| Von Herder an L | W. den 29. Apr. 80. | Rücksendung der „2. Gespräche“ [= Gespräche IV & V], wahrscheinlich auf Bitten Lessings; neben Herder hatte sie auch Hamann gelesen (vgl. verschollener Abdruck durch diesen in den Königsberger Gelehrten 1786) | „Hier, lieber L., sind die 2. Gespräche wieder – mit vielem Dank von mir und Hamann: vor der Hand aber kann ich auch nichts als danken. Ich weiß von der ganzen Sache zu wenig. […]“ [vermutlich ist die Ursprungslegende gemeint, von der die Gespräche IV und V handeln; Herder publizierte aber später, auf Nicolais Publikation der Gegenargumente zu Lessings Theorie, seinerseits eine „Rettung Lessings“: Historische Zweifel über das Buch: Versuch über die Beschuldigungen, welche dem Tempelherrnorden gemacht worden, und über deßen Geheimniß“; vgl. Fick 42016, S. 424] | Nr. 1554; S. 322 |
| Von Elise Reimarus an L | Hamburg, den 26. Juli 1780. | Bitte um Belege zum Vierten und Fünften Gespräch [= Ursprungslegende] | „[…] Aber ich soll nicht vergessen, daß mein Bruder Sie bittet um die bewußten Belege zu dem bewußten vierten und fünften Gespräch u.s.w., welche Sie ihm versprochen, und – daß Sie was Anders zu tun haben, als meine Briefe lesen. […]“ | Nr. 1574;S. 337f. |
| Von Friedrich H. Jacobi an L | Düßeldorf d. 22t/26t December 1780. | Kommentar zum Fortsetzungsdruck der Gespräche IV und V und deren Textkonstitution | „[…] Haben Sie zu dem Druck Ihres 4 und 5t Freimaurer Gesprächs durch die Finger gesehen; oder ist es ein schlechter Streich, und ein schlechter Streich, den Sie nicht vermutet?“ | Nr. 1611;S. 370ff. |
| Lessings Tod ( 15.2.1 78 1) |
Repositorium der Briefe aus dem Entstehungs- und Publikationskontext bis Lessings Tod (nach Gotthold Ephraim Lessing: Werke und Briefe in zwölf Bänden. Hg. von Wilfried Barner zusammen mit Klaus Bohnen, Gunter E. Grimm, Helmuth Kiesel, Arno Schilson, Jürgen Stenzel und Conrad Wiedemann. Bd. 12: Briefe von und an Lessing: 1776-1781. Hg. von Helmuth Kiesel unter Mitwirkung von Markus Reppner sowie Antje Büssgen und Kirsten Burmeister. Frankfurt a. M.: Deutscher Klassiker Verlag 1994. Erstellt von Viktoria Take-Walter mit Anmerkungen (s. insb. dritte Spalte).