Literaturangabe:
Ernst und Falk. Paralipomena. In: Gotthold Ephraim Lessings Sämtliche Schriften. Fünfzehnter Band, herausgegeben von Karl Lachmann, besorgt durch Franz Muncker. 3., auf's neue durchges. und verm. Aufl.. Leipzig 1900, S. 484-490.
Bereitstellende Institution:
Herzog August Bibliothek , Wolfenbüttel
Signatur: M: Lo 4428:15
Verlag:
G. J. Göschen'sche Verlagsbuchhandlung

484

Ernst und Falk.1

I.2

Die Absicht dieser Erörterung ist eben nicht sehr wichtig, aber doch
ernsthaft. Ich erinnere dieses gleich Anfangs, damit mich weder meine


1 [Als Lessing am 14. Oktober 1771 zu Hamburg in die Freimaurerloge aufgenommen wurde, hatte | er sich schon eine Zeit lang mit der Forschung nach dem Wesen und der geschichtlichen Herkunft der | Freimaurerei beschäftigt, so daß das Gerücht von einer Schrift dieses Inhalts, die er veröffentlichen | wolle, bereits auch einzelne seiner nunmehrigen Ordensbrüder mit Besorgnis erfüllte (vgl. den | Brief v. Zinnendorfs vom 19. Oktober 1771). Von diesen Arbeiten ist Verschiednes auf uns ge|kommen, neben einzelnen zerstreuten Bemerkungen namentlich der Entwurf einer Schrift, die sich | inhaltlich ziemlich genau mit dem nachmaligen fünften Freimaurergespräch deckt. Daß Lessing, als | er diesen Entwurf verfaßte, noch nicht der Loge angehörte, deutet er darin wiederholt an. Da er | ferner gleich in den ersten Sätzen höchstwahrscheinlich auf ein 1769 zu London erschienenes Buch | „Masonry the way to hell“ anspielt, so könnte sein Entwurf frühestens noch in das Jahr 1768 | fallen. Vermutlich ist er aber erst 1770 oder 1771 entstanden, in Wolfenbüttel, wo Lessings For|schungstrieb auch durch die Stellung des Herzogs Ferdinand in der Loge auf eine solche Arbeit | hingelenkt werden mochte. Auch Bodes Bericht über das Freimaurertum seines Freundes (in seiner | 1788 erschienenen Übersetzung von Bonnevilles „Schottischer Maurerei“, Teil II, S. 112) macht es | wahrscheinlich, daß Lessing erst kurze Zeit vor seinem Eintritt in die Hamburger Loge den in un|serm Entwurf angeregten Fragen näher getreten sei. Die einzelnen Bemerkungen, die diesem Ent |wurf angehängt sind (vgl. unten S. 489, Z. 13 ff.), beziehen sich großenteils auf Jakob Andersons | „Neues Konstitutionsbuch der Freimaurer“, nach Vorberger (Archiv für Litteraturgeschichte, | Bd. VII, S. 186) auch auf Prestons „Illustrations of Masonry“ und stammen wohl aus | späterer Zeit, als Lessing bereits der Loge selbst angehörte. Darauf weist unter anderm vielleicht schon der | wiederholte Gebrauch der Bezeichnung „Bruder“ hin. Die letzten Sätze zumal, die nach Nicolais | richtiger Vermutung (vgl. S. 490, Anm. 15) auf Johann August v. Starcks „Apologie des Ordens | der Freimaurer“ beruhen, können nicht vor 1778, dem Erscheinungsjahre des Starck’schen Buches, | geschrieben sein. Lessings eigne Handschrift jenes Entwurfs und dieser kürzeren Aufzeichnungen | war schon vor fünfzig Jahren längst verschollen; doch hat Nicolai wenigstens ihren Inhalt vor | dem Untergang gerettet. Bereits 1782 wies er im Anhang zu seinem „Versuch über die Beschul|digungen welche dem Tempelherrenorden gemacht worden“ (Teil I, S. 157, Anm.) auf ein Packet | in Lessings Nachlaß hin, das die Aufschrift trage: „Papiere zu Ernst und Falk gehörig.“ Im | Oktober 1705 aber entlehnte er diese Papiere von Fülleborn, der sie von Karl Lessing erhalten | hatte (vgl. dessen Leben seines Bruders, Bd. III, S. IX), und ließ sich eine Abschrift davon an|fertigen, die er mit zahlreichen, meist polemischen Anmerkungen versah. Nicolas Abschrift schrieb | sich wieder Danzel ab, und nach dessen Kopie teilte zuerst Guhrauer 1854 in den „Beilagen“ zur | weiten Abteilung seiner Fortsetzung der Danzel’schen Lessingbiographie (S. 33-36) den Entwurf | mit. Einen zweiten Abdruck besorgte 1855 J. F. L. Th. Merzdorf im Anhang seiner Ausgabe von | „Ernst und Falk“ (S. 69-75) und verzeichnete dabei die abweichenden Lesarten einer von ihm | verglichenem Hamburger Abschrift, die früher G. Poelchan bessen hatte. Diese Hamburger Ab|schrift ist allem Anschein nach jetzt verloren; die Nicolaische aber ist aus dem Nachlasse Gustav | Parthens in die königliche Bibliothek zu Berlin gekommen. Es ist ein Heft von 5 Blättern 20, | dessen Einband den von neuer Hand schön geschriebenen Titel „Lessing. Ernst und Falk.“ trägt. | Alle 10 Seiten sind von Schreibershand mit großen, sehr deutlichen Zügen gefüllt; einzelne Lücken | des Textes, die vermutlich durch die zweifellose Undeutlichkeit des Lessingschen Originals ver|schuldet waren, sind von anderer Hand ergänzt, manche auch unausgefüllt gelassen. Nicolai schrieb | seine gelegentlichen Verbesserungen falsch gelesener Worte sowie seine sachlichen Bemerkungen mit | schwarzer oder roter Tinte bald auf den schmalen Rand der Seiten, bald in den Text selbst | | In LM ist an dieser Stelle ein Seitenumbruch eingefügt.| über die von ihm angestrichenen oder unterstrichenen Worte. Über die erste Seite schrieb er: | „Kopie von Lessing’s ersten Entwurfe seines Falks und Ernst. (kopiert von den Originalen, welche | mir H. Prof. Fülleborn im Oct. 95. mitgetheilt.)“ Auch die Hamburger Abschrift, die selbst auf | Nicolais Kopie zurückgehen muß, da sie auch die meisten Zusätze Nicolais enthält, hat die Be|merkung: „Das Original soll Prof. Fülleborn besessen haben.“ Dem folgenden Abdruck ist die | Berliner Berliner Abschrift (= B.) zu Grunde gelegt. Die Abweichungen des Hamburger Textes sind nach | Merzdorfs Ausgabe in den Anmerkungen verzeichnet (= H.), ebenso Nicolais Zusätze (= N.); da|gegen führe ich die Stellen nicht an, in denen Danzel und Guhrauer die Berliner Abschrift nur | ungenau wiedergaben, und ebenso wenig einige Lesefehler W. v. Maltzahns, der diese Abschrift für | seine Ausgabe gleichfalls verglichen hat.“] [S. ebd. S. 484f.]
2 [Dazu bemerkt N.:] NB. Es erhellt aus diesem Ent|wurf noch mehr aber aus den einzelnen noch vorgefundenen wenigen Zetteln (so auch copirt) | daß L. ins Innere der FM. Gar nicht hinein sah, sondern nur durch das WortMassoney auf eine | Hypothese fiel, die ihn himmelweit on der Sache abbrachte; ob gleich freylich sein Scharfsinn im|mer sichtbar ist. Aber gerade dieser Scharfsinn (statt des Folgenden steh in H. nur: u. f. w.] war | hier am unglücklichsten angebracht. Die Unb. O. der FM. haben sie gerade so eingerichtet, daß je|der darüber falsch urtheilen soll, unterdeß sie schon ihr rechtes Spiel treiben. [Da zu be|merkt wieder Göckingk:] (Von der ersten, mit NB. Bezeichneten Randnote, ist Gebrauch gemacht.) G. | [nämlich in „F. Nicolais Leben und literarischem Nachlaß“ (Berlin 1820), S. 120]

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