Literaturangabe:
Ernst und Falk. Paralipomena. In: Gotthold Ephraim Lessings Sämtliche Schriften. Fünfzehnter Band, herausgegeben von Karl Lachmann, besorgt durch Franz Muncker. 3., auf's neue durchges. und verm. Aufl.. Leipzig 1900, S. 484-490.
Bereitstellende Institution:
Herzog August Bibliothek , Wolfenbüttel
Signatur: M: Lo 4428:15
Verlag:
G. J. Göschen'sche Verlagsbuchhandlung

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Das ist meine Meinung in die Enge gezogen. Nun will ich sie
Stückweise erörtern.

IV.

Wenn ich sage, daß Massoney der Namen1 des berühmstesten und
ältesten Ordens auf der Welt gewesen, und wenn ich die Verwandschaft
der Freymaurer mit diesem Orden zeige: so hoffe ich, daß die Brüder
mich nicht verächtlicher ansehen werden, als wie ein ehrlicher Mann einen
Genealogisten betrachtet, der ihm selbst zeiget, von welchem berühmten
Stamm2 er eigentlich entsprossen. Der Genealogist braucht selbst kein
Kind der Familie zu seyn;3 ja die Familie braucht ihm auch wohl ihre
Archive4 nicht einmal aufgeschlossen zu haben: er kann in ihrem Stamm
baum dem ohngeachtet erfahrener seyn als der Verschwisterte mit ihr.
Wäre es nicht schlecht, wenn ein vornehmes Geschlecht seinen Stamm
baum verleugnen wollte, weil der Verfasser ihm nicht verwandt gewesen?
Weil er5 […] die Nachricht nicht annehmen wollte, die er in dem
allgemeinen Archive der Geschichte gefunden?6

Aber welcher ist er denn nun, der berühmte Orden, der von7 un
denklichen Zeiten den Namen der Massoney8 geführet? Ich zweifle,9 ob
wohl meine Leser darauf antworten könnten.

Es ist mit einem Worte, der Orden der runden Tafel;10 der erste
eigentliche Ritterorden in der Welt. Wenn aber der Stifter desselben,
der Celtische König Arthur11 seyn soll; wenn so ein König auch irgend
vielleicht in der Welt gewesen, wenn wenigstens seine Thaten so voller
Fabeln sind, daß sie in der wahren Geschichte kaum einen Platz verdienen:
so bleibt doch darum12 der Orden der runden Tafel, oder der Tafelrunde,
ausser allem Zweifel.

V.

Das Wort Massoney heißt, seinem Ursprunge nach, so viel als


1 Name [anscheinend H.]
2 Stamme [anscheinend H.]
3 Es ist nicht nothwendig, daß der Genealogist ein Kind der Familie ist; [am Rande von der Hand des Schreibers beigefügt, also wohl eine Lessingsche, frühere oder spätere Fassung des vorausgehenden Satzes, die schon in der Originalhandschrift stand]
4 [Dazu N.:] Hm! Wenn aber aus den Archiven eine ganz andere Genealogie erhellt, als die Muthmaſſung [Muthmaßungen H.] des Genealogisten?
5 [dahinter] nicht [H., dann das Zeichen einer Lücke. In B. ist] nicht [durchstrichen und dazu von Nicolai bemerkt:] Hier sind einige Worte ganz unleserlich.
6 [Dazu N.:] Nicht gefunden, bloß sinnreich aus einer Aehnlichkeit des Namens gemuthmaſſet ohne historischen Grund.
7 vor [anscheinend H.]
8 Massony [B.]
9 Ich zweifle nicht, [H.]
10 [Dazu N.:] Daß die Massoney die [keine H.] runde Tafel gewesen, ist nicht historisch erwiesen, eben so wenig als daß die Runde Tafel ein Orden gewesen.
11 [Dazu N.:] Der Beyname Arthurs ist undeutlich, vermuthlich brittisch, denn ein Celte war doch Arthur nicht. [In H. fehlt die Bemerkung]
12 dann [anscheinend H.]

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